Tinas Experience in German

Ich freue mich die Erfahrung in Honduras mit Dar a Luz gemacht zu haben und würde gerne auch alle, die Interesse haben daran teilhaben lassen.

Ich bin 22 Jahre alt und im 3. Semester der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege- Ausbildung in Deutschland. Von meiner Ausbildungsstätte bekam ich die Erlaubnis ein Auslandspraktikum zu machen. Voller Begeisterung machte ich mich auf die Suche nach dem passenden und habe dann die Internetseite von Dar a Luz entdeckt. So viel zum Thema wer bin ich und was mach ich J

Hier angekommen bin ich am 1.07.2012. Nach einem langen Flug und einer ebenso langen Busfahrt kam ich dann völlig erschöpft in La Ceiba an. Dort ging es dann erst richtig los. Mein erster Eindruck von La Ceiba war: die Stadt ist chaotisch, laut und verrückt. Noch schlimmer war jedoch die Erkenntnis dass ich keinerlei Spanisch mehr konnte und es kaum englisch-sprachige Menschen gibt. Ich wurde deshalb von vielen beäugt und begutachtet dennoch habe ich gekämpft, täglich mehrere Stunden Spanisch gelernt und nach und noch konnte ich dann mehr als nur bien oder no bien sagen J Der Aufwand hat sich gelohnt, und dies war eine super tolle Erfahrung für mich.

In dem Krankenhaus indemich eingesetzt wurde war zunächst auch die Sprache ein großes Hindernis. Ich legte meine Schüchternheit ab, bat die Schwestern um Hilfe bei meinen „Hausaufgaben“ und machte mir einen Spaß daraus mich mit Zeichensprache und Mimik zu verständigen und auch oftmals lustig zu machen. Dadurch konnte ich mein Ziel erreichen akzeptiert und integriert zu werden und öffnete die Herzen der Krankenschwestern.

Die Arbeit mit den Frauen klappte zusehends auch besser und ich konnte mich sogar mehrmals gegen die sturen Krankenschwestern durchsetzen und mit einem Lachen und etwas tricksen meine Arbeit gut erledigen. Das Wichtigste bei der Arbeit ist jedoch Respekt und Achtung den Schwestern und Ärzten gegenüber. Sie haben die Arbeit so gelernt und müssen erst langsam kennenlernen, dass es auch anders geht.

Zu meinen Aufgaben gehörte zunächst einmal die Frauen in den Wehen zu betreuen. Es ist wichtig zu wissen, dass es sehr viele junge, erstgebärende Mütter gibt, die nie eine Aufklärung bekommen haben und nichts über die Geburt und die Anatomie der Fortpflanzungsorgane wissen. Alle Frauen müssen die Geburt völlig alleine, ohne jegliche persönliche Gegenstände durchziehen und haben keinen Kontakt zu ihrer Familie. Die Krankenschwestern fühlen sich oftmals nur von den etwas lauteren Frauen gestört und wenn eine Frau etwas fragt wird sie oft als dumm abgestempelt und ignoriert. In der Geburtsstation haben die Patienten jedoch den meisten Kontakt zu den Ärzten und Medizinstudenten, nicht zu den Krankenschwestern. Diese führen alle Untersuchungen durch und beobachten und dokumentieren den Geburtsverlauf. Es ist leider bei fast allen so, dass nicht mit der Frau gesprochen wird. Sie erklären diesen nichts, achten nicht auf Schmerzen und ignorieren Fragen. Eine Frau darf während der Eröffnungsperiode das Bett nicht mehr verlassen, darf nichts trinken und essen und darf meistens nicht einmal im Bett sitzen.

Meine Aufgabe war also zunächst einmal der Frau, die oft schon starke Wehen hatte, das Gefühl zu geben für sie da zu sein und sie zu verstehen. Konnte ich so den Kontakt zu ihr finden, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Ich habe ihnen Fragen beantwortet, habe ihnen den Rücken massiert, beim Umlagern geholfen, einen Toilettengang ermöglicht, ein nasses Tuch zum abkühlen gebracht oder das Bettlaken und Nachthemd frisch gemacht.

Bei der Geburt habe ich die Frauen auch begleitet. Ich bin mit ihnen den Weg zum Geburtssaal (kurz vor der Geburt des Kindes muessen die Frauen den Raum wechseln) gegangen, habe ihre Hand gehalten und versucht ihnen beizustehen und sie zu loben und ihnen dabei zu helfen. Ein „Felizidades“ hat dann nach der Geburt vielen Frauen ein Tränchen in die Augen gezaubert, so froh und erleichtert waren sie.

Nach der Geburt habe ich dafür gesorgt, dass das Kind schnellstmöglichst zur Mutter darf. Ich habe Kleidung von den Angehörigen geholt oder auch eine gespendete Kleidung angezogen. Dann durfte ich oftmals das Baby der Mutter auf den Bauch legen, ansonsten habe ich es während der Zeit des Nähens gehalten. Somit konnte die Mutter die Sorgen und Schmerzen des Nähens leicht vergessen und sich die ersten Minuten mit dem Kind beschäftigen. Wenn dies alles vorbei war, und die Mutter erschöpft im Bett lag, hab ich die Angehörigen informiert und ihnen ein Bild des neuen Familienmitgliedes gezeigt. Diese waren unglaublich glücklich und dankbar darüber, weil sie teilweiße schon mehr als einen Tag nichts mehr von der Frau gehört haben und nicht informiert wurden.

Weitere Arbeit gab es dann noch fuer mich bei der Stillhilfe oder bei der Versorgung der Mütter nach der Geburt (frisch machen, Toilettengang, Baby wickeln usw.) Diese wichtigen Aufgaben werden oft von niemanden erfuellt.

Außerdem habe ich mich sehr gerne um die Neugebornen gekümmert, die durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kamen. Diese lagen häufig stundenlang nackt und ohne jegliche Milch oder Zuwendung unter einer Wärmelampe, komplett getrennt von den Müttern, die sich in einem anderen Saal befanden. Ich habe die Angehörigen über das Neugeborene und den Zustand der Mutter informiert und Kleidung für die Kinder besorgt. Wenn sie Hunger hatten, habe ich sie gefüttert und wenn sie einfach nur kuscheln wollten, habe ich sie lange in meinen Armen gewogen, bis sie friedlich schlafen konnten.

Silvia hat mir ihrer langjährigen Arbeit so viel Vertrauen von den Mitarbeitern bekommen, dass es großartig ist dort zu arbeiten. Auch wenn man anfangs kritisch beäugt wird, kann man super lieb mit den Angestellten dort auskommen. Und wenn man diesen Schritt geschafft hat, stehen einem viele Wege offen. Zum Beispiel durch etwas trödeln beim Verlegen der Frau in den Geburtsaal oder durch nicht von der Seite weichen von der Frau, konnte ich den Schwangeren oftmals viele Schmerzen und viel Leid ersparen.

Hier ist es wichtig zu wissen, dass die Ärzte oft noch nach veralteten Methoden arbeiten. (Dar la Luz knuepft hier an anderen Stellen an, z.B. mit Schulungen udn Workshops.) Sie versuchen die Austreibungsphase so kurz wie möglich zu halten, weil sie z.B. denken, dass das Kind nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann. Aus diesem Grund führen sie sehr viele (oftmals unprofessionelle und unnötige) Dammschnitte durch und drücken den Frauen sehr stark auf den Bauch um das Kind möglichst schnell auf die Welt zu bekommen. Um die Arbeit für die Ärzte zu erleichtern muss dir Frau auch während den letzten Minuten auf einen sehr unbequemen, ungeeigneten Gynäkologenstuhl und dort das Kind zur Welt bringen. Durch meinen passiven Widerstand habe mich nicht offensiv in ein Gefächt oder eine Diskussion gegeben, und konnte trotzdem vielen Frauen, eine stressfreiere, bequemere Geburt ermöglichen.

Besonders schön und rührend fand ich immer die Nachricht den Familien übergeben zu können. Sie waren so dankbar über ein Foto auf dem Handy oder über ein „Felicidades“, dass mich dies manchmal beinahe zu Tränen rührte. Auch fand ich es toll zu erfahren, was es bedeutet sich um 5 weinende Babys gleichzeitig zu kümmern und das schöne Gefühl, wenn die Kleinen dann satt und mit frischen, gespendeten Windeln und Kleidern in einen ruhigen und tiefen Schlaf in meinen Armen fallen konnten.

Ich habe mehrmals die Frauen am nächsten Tag auch nach der Geburt auf der Wochenstation besucht und es hat mich jedes Mal wieder gefreut zu sehen, dass sie mit wenig Mitteln so glücklich sein können und vor Dankbarkeit strahlten.

Es war eine große Herausforderung für mich, mich in einer Stadt wie La Ceiba zurechtzufinden, aber es hat sich super toll gelohnt. Und neben dem Arbeiten, habe ich auch immer wieder Zeit gefunden mir alles mögliche in und um La Ceiba anzuschauen. Auch wenn die Arbeit im Vordergrund stand, möchte ich die tollen Tage in den Bergen, an den Flüssen und an den Stränden nicht vermissen. Teilweiße bin ich mir wie im Paradies vorgekommen und diese Tage gaben mit die Kraft weiterzuarbeiten und den Leuten Respekt gegenüber der wundervollen Natur und dem großen Potential dieses Landes zu geben.

Einen herzlichen Dank hierbei an Silvia, die mich stets unterstützte und die auch jederzeit anrufen konnte oder mit ihr über Internet in Kontakt bleiben konnte. Sie war einerseits als Tourguide einfach genial und andererseits hatte sie stets ein offenes Ohr für Probleme oder Anregungen. Durch ihre tolle Einführung in den ersten Tagen und den vielen Gesprächen konnte ich auch die nicht so schönen Dinge verarbeiten und freue mich nun umso mehr den Frauen mit etwas Herz und Zuneigung eine schöne Geburt ermöglich zu haben.

Ebenfalls möchte ich mich noch bei der besten Spanischlehrerin Honduras bedanken, Dona Amparo. Durch diese konnte ich mir weitere Peinlichkeiten ersparen und musste nicht mehr alles mit Händen und Füßen erklären und mich zum Clown machen- auch wenn das wirklich lustig und hilfreich war 😉

Wenn ihr also auf der Suche nach euch selbst seit, wenn ihr auf eigenen Beinen stehen wollt, wenn ihr Verantwortung übernehmen wollt, wenn ihr die Arbeit rund um die Geburt mögt und Einfühlungsvermögen besitzt, wenn ihr anderen Menschen ein Herz schenken wollt und wenn ihr das Land und die wunderschöne Natur kennenlernen wollt, seid ihr in Honduras mit dem Geburtshilfeprojekt genau richtig.

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